Centro Sociale

Phantastische Welten: Von Seelenfressern, Anarchisten und Temporalphysik. Übersetzer*innenlesung.

28.11.2018 (Mittwoch) 19:30
Saal

Karen Nölle und Volker Oldenburg lesen aus ihren Übersetzungen von Ursula K. Le Guins "Freie Geister" und David Mitchells "Slade House" und sprechen über das Genre der Phantastik.
Moderation: Inka Marter

Ursula K. Le Guin (1929 - 2017) gilt als die Grande Dame der amerikanischen Science Fiction. Ihr Werk wie ihre Persönlichkeit beeinflussten zahllose Autoren der jüngeren Generationen, darunter auch den zweiten Autor dieses Abends, den großen britischen Geschichtenerzähler David Mitchell (*1969). Beide sind vielfach mit Preisen ausgezeichnet worden, beide lesen sich fesselnd, beide entwerfen Welten, die sich klug und gekonnt von der Alltagswirklichkeit abheben. Was bedeutet es für die Übersetzer, wenn Handlungen im Anderswo oder Anderswie spielen? Wenn ihre sprachlichen Lösungen sich nicht an die üblichen Realitäten halten können? Wenn sie Gesellschaften im fernen Weltall oder bizarre Parallelwelten (nach)erfinden müssen? Einen Eindruck davon vermitteln Karen Nölle und Volker Oldenburg in einem Gespräch über ihre Arbeit. Und zur Einführung wird vorgelesen.

Von Karen Nölle aus dem neu übersetzten Klassiker »Freie Geister«, einer zwiespältigen Utopie, wie es im Untertitel heißt, deren Handlung sich zwischen den Planeten Urras und Anarres, einer turbo-kapitalistischen und einer anarchistischen Gesellschaft aufteilt. Der Physiker Shevek wird nolens volens zum Freiheitskämpfer, und die Leser erfahren so Manches über Mut, Hoffnung und menschliche Wagnisse.

Von Volker Oldenburg aus »Slade House«, David Mitchells jüngstem, 2018 erschienen Werk, in dem der Autor sich nach seinem Mammutroman »Die Knochenuhren« zum zweiten Mal dem Genre der Phantastik zuwendet. Vor der sorgfältig gebauten Kulisse eines Spukhauses geht es – mit zahlreichen Anspielungen an Literaturgeschichte und Popkultur – um Überzeitliche, Seelenraub, menschliche Sehnsüchte und das ewige Leben.

Karen Nölle übersetzt seit vielen Jahren aus dem Englischen, fast nur Belletristik, fast immer von Autorinnen, am liebsten solchen wie Alice Munro, Janet Frame, Eudora Welty, Annie Dillard oder natürlich Ursula K. Le Guin. Nebenbei ist sie freie Lektorin, Autorin von Reisebüchern und seit 2010 eine der Programmmacherinnen im Verlag edition fünf. Sie lebt am Dieksee in Holstein.

Volker Oldenburg übersetzt seit bald zwanzig Jahren aus dem Englischen, meistens zeitgenössische Literatur und manchmal Sachbücher über Mode, Medizingeschichte oder die Midlife-Crisis. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er lebt in Hamburg.

Inka Marter übersetzt seit 2009 aus dem Spanischen und Englischen, Liebesromane, Krimis und alles mögliche andere. Sie lebt in Hamburg.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V. im Centro Sociale in Zusammenarbeit mit cohen+dobernigg BUCHHANDEL, gefördert von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien.

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