Centro Sociale

Solidarisch mit dem Kollektiven Zentrum

Eine Stadt braucht kulturelle und politische Freiräume.

Sie sind Teil der Infrastruktur. Sie sind wie die öffentlichen Straßen und Parks. Sie sind Möglichkeitsorte, wo Zivilgesellschaft in Erscheinung treten kann.

 

Das Kollektive Zentrum im Münzviertel ist ein solcher Freiraum – erstritten gegen spekulativen Leerstand und Profitinteressen. Das Kollektive Zentrum ist ein Vorschlag der Bewohnerinnen und Bewohnern des Münzviertels an die Stadt, sich als gesellschaftliches Gebilde und nicht nur als wirtschaftliches Unternehmen zu begreifen.

 

Mit dem Kollektiven Zentrum wird also gerade die nachbarschaftliche Zivilgesellschaft eingezäunt und überwacht. Mit Zaun und Polizeipräsenz setzen sich ökonomische Interesse gegen ein solidarisches Gemeinwesen durch. Das kann nicht im Interesse Hamburgs sein. Das kann eigentlich auch nicht im Interesse der politischen Kräfte dieser Stadt sein.

 

Um die gesellschaftlich Notwendigkeit von kulturellen und politischen Freiräumen öffentlich zu vertreten, hat sich die „Solidarische Raumnahme“ gebildet. Sie ist ein Netzwerk von selbst verwalteten Räumen und Plätzen in Hamburg. Das Kollektive Zentrum ist Teil der Solidarischen Raumnahme – wie auch das Centro Sociale zwischen Karo- und Schanzenviertel. Das Centro Sociale hat die solidarische Raumnahme initiiert, weil der Zustand der selbstverwalteten Räume und Plätze in dieser Stadt miserabel ist. Statt die Bildung von kulturellen Freiräumen zu erleichtern, belastet die Stadt Hamburg sie mit ökonomischen, rechtlichen und politischen Zwängen:

Wir – die selbstverwalteten Räume und Plätze – wir sollen für unsere unbezahlte, gesellschaftliche Arbeit auch noch Miete zahlen. Wir müssen gegen die Eigentumslogik und das Profitstreben von Immobilienspekulanten kämpfen. Wir sollen Businesspläne entwickeln, die den nichtkommerziellen Betrieb unmöglich machen und Teile der Gesellschaft ausschließen. Menschen, die leer stehende Häuser nutzen und vor dem Verfall bewahren, werden kriminalisiert, überwacht und umzingelt. Politik und Verwaltung legen an gemeinnützige Projekte die gleichen Maßstäbe an, wie sie auch für privatwirtschaftliche Immobilienentwickler gelten.

Warum das?

Eigentlich schaffen doch Stadtteilzentren, Nachbarschaftstreffs, soziokulturelle Einrichtungen, kollektive Gärten, Wagenplätze oder Wohnprojekte die gesellschaftlich so notwendigen Räume zum Zusammenkommen. Sie fördern Austausch und Toleranz, etablieren Kulturangebote, kochen für Menschen mit wenig Geld, schaffen öffentliche Plattformen, arbeiten gegen Verdrängung, betreiben Selbsthilfewerkstätten, schaffen Lern- und Spielangebote und vieles mehr...

Diese zivilgesellschaftliche Arbeit, diese Geschenk an das städtische Miteinander wird häufig zurückgewiesen, behindert, bestraft oder hintergangen von Kräften, die offenbar gegen die städtischen Freiräume anarbeiten.

 

Und wir möchten zum Abschluss an eine Erfahrung erinnern, die wir im Karoviertel mit diesen Kräften gemacht haben, die das städtische Miteinander ablehnen und das zivilgesellschaftliche Engagement der Anwohnerinnen und Anwohner hintergehen: Im September 2011 wurde mit dem Aufstellen von Planungswürfeln auf dem Platz vor der Alten Rindermarkthalle der Stadt Hamburg ein Geschenk gemacht: Das Geschenk eines partizipativen öffentlichen Planungsprozesses. Es sollte mit diesen Planungswürfeln ein zentraler Ort im Herzen St. Paulis – die Alte Rindermarkthalle – kooperativ entwickelt werden. Selbst organisiert, selbst finanziert, selbst konzipiert von den Anwohnerinnen und Anwohnern. Informationsveranstaltungen, Planungsworkshops, kulturelle Präsentationen, Speisungen und vieles mehr haben in den Planungswürfeln stattgefunden. Aber nach nur drei Wochen zivilgesellschaftlichen Engagements hat die Immobilienverwalterin der Stadt Hamburg hinter den Kulissen und vermutlich auch an den politischen Akteuren des Bezirks vorbei, das Objekt der kollektiven Planung einfach und schnell an eine Handelskette vermietet und damit den gemeinsamen Planungsprozess an die Wand gefahren.

 

Es kann aber nicht sein, dass Immobilienverwalter und –besitzer mithilfe der Polizei diese Stadt regieren und die kulturellen Freiräume verhindern, welche die gesellschaftliche und soziale Infrastruktur des Gemeinwesens bilden!

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