Centro Sociale

Projekte

Mit dem gemeinsamen Anspruch, die kulturelle und künstlerische Vielfalt im Karolinenviertel und Schanzenviertel (Hamburg) zu fördern und zu stärken sowie Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu schaffen, trafen sich bereits im Jahr 2008 mehrere Leute mit der Idee, einen Verein zu gründen, der die kulturellen Praxen bündelt und in einem gewissen Rahmen institutionalisiert. Im gleichen Jahr gründete sich der selbstverwaltete Nachbarschaftstreff 'Centro Sociale' in St. Pauli Nord. Das Centro Sociale versteht sich als Kultur- und Kommunikationszentrum für die umliegenden Viertel und ist in den denkmalgeschützten, ehemaligen Hund- und Pferdeausspannställen auf dem Gelände des einstigen zentralen Hamburger Schlachthofes angesiedelt. Auf rund 300 Quadratmetern bietet das Centro Sociale ein großes Potential an lange Zeit unbespielten, offenen und auch erschwinglichen Räumen für unterschiedlichste künstlerische und kommunikative Zwecke. Unser Verein nutzt seit Beginn unter anderem die Räume des Centro Sociale (den ca 100 Quadratmeter großen Saal, die Werkstatt und den Seminarraum) für verschiedene Veranstaltungen. Anspruch und Praxis der "Freundinnen und Freunde des Centro Sociale e.V." ist es jedoch, neben dem Centro Sociale auch andere bezahlbare Räume und Orte für stadtteilbezogene Kultur und Bildung zu finden, zu entwickeln und zu nutzen.

 

Die Vereinsarbeit seit 2009

 

Schwerpunkte des Vereins "Freundinnen und Freunde des Centro Sociale e.V." waren im Jahr 2009

* die Öffentlichkeitsarbeit

* die konzeptionelle Arbeit und

* der Antrag auf Gemeinnützigkeit.

 

Um den Verein im Viertel bekannt zu machen und für die Unterstützung der Vereinsziele zu werben, produzierten wir im Frühjahr 2009 ein Faltheftchen, das wir in hoher Auflage in Geschäften (z.B. Buchläden) und anderen kulturellen bzw. sozialen Orten in den umliegenden Vierteln zur Mitnahme auslegten. Auf dieses gut verbreitete Werbemittel gab es eine sehr gute Resonanz: Mehrere Menschen meldeten sich, um sich ehrenamtlich im Rahmen der Vereinsaktivitäten zu engagieren. Außerdem nahmen wir im Sommer 2009 die vielen Straßenfeste zwischen St. Pauli und Eimsbüttel zum Anlass, den Verein dort mit einem kleinen, mobilen Infostand vorzustellen (unter anderem Bernsttorfstraße, Brigittenstraße, Millerntor, Neuer Pferdemarkt, Ludwigstraße und beim Schanzenfest).

Konzeptionell war den Vereinsmitglieder schnell klar, dass neben dem ehrenamtlichen Engagement die finanzielle Basis gefestigt sein muss, um die Vereinsziele erreichen und absichern zu können. Ab Frühjahr 2009 widmete sich deshalb eine Arbeitsgruppe des Vereins dem Antrag auf Gemeinnützigkeit und den dafür nötigen Satzungsänderungen. Mit Erfolg: Am 1. Januar 2010 wurde der Verein als gemeinnützig anerkannt. Nun konnten wir uns auch verstärkt um die Spendenakquise kümmern. Neben den formalen und organisatorischen Anforderungen fand der Verein dennoch Zeit und Kraft, verschiedene Veranstaltungen anzuschieben und umzusetzen.

Die Veranstaltungen der Freundinnen und Freunde des Centro Sociale sind nichtkommerziell und kosten in der Regel keinen Eintritt.

 

Das erweiterte Wohnzimmer

Recht bald nach der Gründung des Vereins im August 2008 hoben wir im Dezember 2008 Die Reihe "Das Erweiterte Wohnzimmer" aus der Taufe. Die Idee dieses neuen Formates war, einmal im Monat einen nichtkommerziellen Raum zu öffnen, in dem Musik gehört, geredet und gespielt werden kann. Für die musikalische Begleitung konnten wir anfangs verschiedene Hamburger DJs, später auch Bands, vor allem aus dem Hamburger Raum, gewinnen. Die Erweiterten Wohnzimmer wurden von den AnwohnerInnen recht schnell als sozialer und kultureller Treffpunkt angenommen.

Die gesamte Arbeit bei den Erweiterten Wohnzimmern (und auch bei allen anderen Veranstaltungen unseres Fördervereins) wird ehrenamtlich geleistet. Für die Erweiterten Wohnzimmer bedeutet das: Layout, Texten und Verteilen der Handzettel, Aufbau der Musikanlage und ggf. der Bühne, Betreuung der Künstler_innen, Ansprechbarkeit für die Gäste, Aufräumarbeiten nach der Veranstaltung usw.

Theaterprojekt Anne Bader

Im März 2009 übernahm der Verein die ideelle Patenschaft für ein Theaterprojekt der Nachwuchsregisseurin Anne Bader. Mehrere Vereinsmitglieder berieten und begleiteten - vor allem in Sachen Licht, Bühnenaufbau und Bewerbung - über mehrere Wochen die Proben des Stücks "Blaubart - Hoffnung der Frauen" von Dea Loher. Das Stück wurde am 7., 14. und 15. März im Centro Sociale insgesamt sechs Mal vor insgesamt 360 Zuschauer_innen aufgeführt; der Eintritt war frei, so dass auch finanzschwache Anwohner_innen das Theater besuchen konnten. Daraus entstand die Idee, mit dem Verein künftig mindestens einmal im Jahr ein Theaterprojekt zu unterstützen.

Chor

Im Mai 2009 fand sich in der Nachbarschaft ein kleiner Chor zusammen, der gemeinsam lateinamerikanische Lieder singen wollte. Während der Aufbauzeit des Chors leitete ein Vereinsmitglied einige Male Stimm- und Atemübungen an.

Ausstellung "Ein größeres Herz als der Rest der Welt?”

Im Juni 2009 koordinierte der Verein die Vorbereitung der Ausstellung “Ein größeres Herz als der Rest der Welt?” zu Verdrängung und Gegenstrategien / Gentrifizierung (Vernissage am 13. Juni, in Kooperation mit dem St. Pauli Archiv). Im August 2009 übernahm der Verein die Vorbereitung und Betreuung der Ausstellung ‘Kultivierung der Stadt - Urbane Gärten in Barcelona’ mit Fotos und Texten von Stefanie Fock. Die Ausstellung war vom 2. bis zum 7. August 2009 im Centro Sociale zu sehen, die Künstlerin stand für Gespräche zur Verfügung.

Wanderausstellung "Alte Menschen im gentrifizierten Viertel"

Daneben übernahm der Verein die Vorbereitung und Betreuung der wachsenden Wanderausstellung “Alte Menschen im gentrifizierten Viertel" (in Kooperation mit dem Verein "Graue Panther Hamburg e.V.). Gezeigt wurde die Ausstellung vom 16. bis zum 21. August im Centro Sociale.

Spendenakquise

Schwerpunkte der Vereinsarbeit im Jahr 2010 In 2010 trugen die Öffentlichkeitsarbeit und Spendenakquisebemühungen aus dem Jahr 2009 erste Früchte. So gingen neben der Großspende eines ortsansässigen Gastronomen und der Förderung durch die Kurverwaltung St. Pauli weitere kleine und mittlere Spenden aus der Nachbarschaft beim Verein ein. Dadurch konnten wir erstmals für die Veranstaltungen notwendige Anschaffungen tätigen, Räumlichkeiten anmieten und unterschiedliche Aktivitäten (teil)finanzieren.

Veranstaltungstechnik

Im März 2010 verbesserten sich die Bedingungen für die Durchführung nichtkommerzieller Veranstaltungen, da der Verein eine gebrauchte, qualitativ hochwertige Beschallungsanlage kaufen konnte. Diese wird nun nach und nach erneuert und erweitert (unter anderem mit Mikrofonen und Mikroständer für Lesungen und Vorträge).Die Anlage setzen wir bei nahezu allen von uns durchgeführten Veranstaltungen ein und stellen sie in der Regel auch anderen Veranstalter_innen unentgeltlich für nichtkommerzielle und satzungsgemäße Zwecke zur Verfügung (z.B. im Rahmen von Nachbarschaftsfesten und ähnlichen Aktivitäten). In diesem Zusammenhang geben wir unser bisher in selbst organisierten Workshops erworbenes Know-how über Veranstaltungstechnik an Dritte weiter, um dadurch noch mehr Männer und Frauen in den Stand zu versetzen, eine hochwertige und relativ komplexe Musikanlage (P.A.) eigenständig auf- und abzubauen. Für die sichere Aufbewahrung der umfangreichen Technik haben im (Monat/ Jahr) wir ein kleines Techniklager angemietet.

Veranstaltungen im Stadtteil

Neben einer Reihe von insgesamt elf Konzerten im Jahr 2010 im Rahmen des von der Nachbarschaft gut angenommenen Erweiterten Wohnzimmers, initiierte bzw beteiligte sich der Verein "Freundinnen und Freunde des Centro Sociale e.V." an verschiedenen kulturellen, künstlerischen und bildungsorientierten Veranstaltungen im Stadtteil. Wer auf die angehängte Liste blickt, wird eventuell über die Vielzahl und Bandbreite von Veranstaltungen staunen, die der Verein aktiv im Jahr 2010 unterstützt bzw, betrieben hat. Trotz vergleichsweise weniger Vereinsmitglieder (10 Personen im Juni 2011) kann der Verein sehr viel auf die Beine stellen, da sich zahlreiche Menschen aus dem sozialen Umfeld der Vereinsmitglieder und aus der Nachbarschaft (St. Pauli Nord, Schanzenviertel, Karolinenviertel) mit den Zielen des Vereins identifizieren und immer wieder bereit sind, sich in ihrer Freizeit für den Verein zu engagieren.

Im Januar und Februar organisierte der Verein zwei Filmabende mit Diskussion.

 

Theaterprojekt Bruno Bachem

Von März bis Mai 2010 übernahm der Verein - aufbauend auf die Erfahrungen in 2009 - die Patenschaft für das Theaterprojekt von Bruno Bachem zur Aufführung des Einakters “DER BETTLER oder DER TOTE HUND” von Bertolt Brecht. Die Aufführungen vom 1. bis zum 12. Mai wurden - mit intensiver ehrenamtlicher Unterstützung - als eintrittsfreies "Theater in der Mittagspause" (Nahrung für Kopf und Bauch) im Centro Sociale realisiert. Das Projekt erreichte rund 400 Interessierte vor allem aus dem Stadtteil.

 

Lefebvre Workshop

Im Mai kooperierte der Verein mit dem ASSR (Arbeitschwerpunkt Stadt Raum Hamburg) und quartieren.org, um den Schweizer Soziologen Christian Schmid für einen - von 68 Interessierten besuchten - Lefebvre-Workshop nach Hamburg zu holen.

 

Kunstprojekt Kicks and Kisses

Von Mai bis Dezember übernahm der Verein die Patenschaft für das Projekt 'Kicks and Kisses', in dem sich Jugendliche und Erwachsene künstlerisch mit Sportszenen im Fußball auseinandersetzen konnten (in Kooperation mit der Künstlerin und Kunsttherapeutin Utta Hoffmann). Das wöchentliche Angebot im Centro Sociale endete im Dezember 2010 mit einer Präsentation.

 

Straßenfest Ludwigstraße

Im Juni beteiligte sich der Verein am nachbarschaftsorientierten Straßenfest in der Ludwigstraße (Finanzierung des Zauberers Salvatore und Betreuung einer Hüpfburg, beides im Rahmen des Kinderprogramms.

 

Lesung: Südafrika nach der Apartheid

Ebenfalls im Juni unterstützte der Verein die Lesung des Autoren Romin Khan aus seinem Buch 'Südafrika nach der Apartheid' (in Kooperation mit dem Verlag assoziation a).

 

mujeres sin fronteras Infoveranstaltung

Im Juli co-finanzierte der Verein eine Informationsveranstaltung mit Konzert des Beratungsinitiative mujeres sin fronteras (für illegalisierte Frauen aus Lateinamerika)

 

Gentrifizierung in Schweden

Im September unterstützte der Verein eine Diskussionsveranstaltung mit Gästen aus Schweden zum Thema "Gentrifizierung in Malmö und Lund".


Heterosexismus und Homophobie im deutschsprachigen Hip-Hop

Ebenfalls im September ermöglichte der Verein einen Vortrag mit Konzert zum Thema "Heterosexismus und Homophobie im deutschsprachigen Hip-Hop".

 

Neben der ehrenamtlichen Organisation und Betreuung der Veranstaltungen übernimmt der Verein in der Regel die Bewerbung (z.B. Flyer) sowie Reisekosten von Referent_innen, Bands und anderen Auftretenden für die Veranstaltungen. Alle Kosten werden auf einem Mindestmaß gehalten, alle anfallenden Arbeiten (z.B. Texten und Layout von Werbematerial) wird ehrenamtlich geleistet. Honorare werden in der Regel nicht gezahlt. Übernachtungen von Referent_innen oder Künstler_innen werden in der Regel privat gestellt.

 

Kooperationen

Wenn möglich gehen wir Kooperationen mit Einrichtungen und Initiativen ein, die ähnliche Vorstellungen von stadtteilorientierter Kultur und Bildung haben wie unser Verein. In 2010 haben wir mit verschiedenen Partner_innen zusammengearbeitet bzw die Zusammenarbeit für 2011 vorbereitet, unter anderem mit den Verlagen assoziation-a und argument bzw ariadne (Organisation und Betreuung von Lesungen), der Tageseinrichtung alsterstern (Entwicklung einer Büchertauschwand), den Schlumpern (Entwicklung eines Malprojektes gehandicapter Schlumper-Künstler_innen mit Kindern aus dem Viertel), dem Buchladen Schanzenviertel (Autor_innen-Lesungen), dem Universitäts-Dozenten Marc-Liam Toolan (ehrenamtliches Nachhilfeprojekt für migrantische Jugendliche), der Konditorei Stenzel (kostenfreie Kuchenversorgung bei ausgewählten Veranstaltungen und Weihnachtsbäckerei für Kinder) und anderen.

 

Recht auf Stadt - der Kongress 2011

Ein großes Projekt war der bundesweite bzw internationale Kongress 'Recht auf Stadt' in Hamburg (im Juni 2011), der sich Teilhabemöglichkeiten, urbanen Interventionen und Perspektiven der Stadtentwicklung aus Sicht der Bewohner_innen widmete. Der Verein hat sich - als Mitveranstalter - frühzeitig in die inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitungen eingebracht und kooperierte dabei unter anderem mit dem Netzwerk Recht auf Stadt, der Bundeskoordination Internationalismus- Buko-, den Schulen Ludwigstraße und Altonaer Straße und anderen). Dieses Engagement wurde 2012 fortgesetzt, unter anderem im Rahmen der Folgeveranstaltung des Recht auf Stadt Netzwerkes im Centro Sociale - "Debatte deLuxe" - vom 19.-21. Oktober 2012. 

  • So viele waren schon hier (seit Juni 2008) 501471